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Augen

Trockenes Auge beim Hund: Anzeichen, Schirmer-Test und tägliche Pflege

Redaktion Actipharm · Veröffentlicht am · 5 Min. Lesezeit

Mops mit grossen runden Augen im Sessel am Fenster, daneben ein Fläschchen Augentropfen.

Das Wichtigste

  • Beim trockenen Auge (Keratoconjunctivitis sicca, KCS) bilden die Tränendrüsen zu wenig wässrige Tränenflüssigkeit, Hornhaut und Bindehaut entzünden sich.
  • Kurzköpfige Rassen wie Mops und Französische Bulldogge sind besonders gefährdet, weil ihre Augen weit vorstehen und die Lider oft nicht ganz schliessen.
  • Der Schirmer-Tränentest misst in einer Minute die Tränenmenge, ist schmerzlos und gehört zur Abklärung jedes geröteten Auges mit zähem Ausfluss.
  • Die Behandlung ist meist lebenslang: ein tierärztlich verschriebenes Medikament, ergänzt durch Tränenersatz oder Augengel, das Sie zu Hause auftragen.

Ein Mops, der morgens mit verklebten Augen aufwacht. Eine Französische Bulldogge, die ständig blinzelt. Hinter solchen Bildern steckt oft ein trockenes Auge, in der Fachsprache Keratoconjunctivitis sicca, kurz KCS. Die Krankheit ist beim Hund häufig, beginnt schleichend und lässt sich gut kontrollieren, wenn sie früh erkannt wird. Heilen lässt sie sich selten. Umso wichtiger ist eine Pflege, die Sie zu Hause sicher beherrschen.

Was beim trockenen Auge passiert

Der Tränenfilm ist mehr als Wasser. Er besteht aus einer wässrigen Schicht aus Tränendrüse und Nickhautdrüse, einer Schleimschicht, die ihn auf der Hornhaut haften lässt, und einem hauchdünnen Fettfilm, der das Verdunsten bremst. Er versorgt die Hornhaut, die keine eigenen Blutgefässe hat, spült Staub weg und wehrt Keime ab.

Bei der KCS fehlt vor allem der wässrige Anteil. Am häufigsten greift das eigene Immunsystem die Tränendrüsen an. Weitere Ursachen sind bestimmte Medikamente (etwa einige Sulfonamide), eine Schädigung des Nervs, der die Tränendrüse steuert, Infektionen oder die chirurgische Entfernung einer vorgefallenen Nickhautdrüse, des sogenannten «Kirschauges». Die Hornhaut reagiert auf die Trockenheit mit Entzündung, später mit einwachsenden Gefässen und dunkler Pigmentierung. Ohne Behandlung kann das Sehvermögen dauerhaft leiden.

Warum Mops und Französische Bulldogge besonders betroffen sind

Kurzköpfige, sogenannt brachyzephale Rassen haben flache Augenhöhlen. Die Augäpfel stehen weit hervor, die Lidspalte ist gross, und viele Tiere schliessen die Lider beim Blinzeln oder im Schlaf nicht vollständig. Ihre Hornhaut ist zudem weniger berührungsempfindlich, Reizungen werden spät bemerkt. Nasenfalten und nach innen gerollte Lidränder reiben zusätzlich an der Oberfläche. Fachleute fassen diese Probleme als brachyzephales okuläres Syndrom zusammen.

Die Folge: Der Tränenfilm verdunstet schneller und reisst früher auf, selbst wenn die Tränenmenge noch normal ist. Kommt eine echte KCS dazu, kippt das Gleichgewicht rasch. Bei Mops, Französischer und Englischer Bulldogge, Shih Tzu und Pekinese schaut die Tierärztin deshalb besonders genau hin. Auch Rassen mit normaler Kopfform, etwa der West Highland White Terrier oder der Cocker Spaniel, erkranken überdurchschnittlich oft an der immunvermittelten Form.

Die Schweizer Tierschutzgesetzgebung verbietet Zuchtziele, die Tieren Schmerzen oder Schäden zufügen. Wer einen Welpen einer kurzköpfigen Rasse sucht, achtet am besten auf eine gemässigte Kopfform und fragt nach Augenbefunden der Elterntiere.

Woran Sie ein trockenes Auge erkennen

  • zäher, gräulicher bis gelblicher Schleim im Augenwinkel, der nach dem Abwischen rasch wiederkommt
  • gerötete Bindehaut, häufiges Blinzeln, ein halb zugekniffenes Auge
  • eine matte, glanzlose Hornhaut statt eines spiegelnden Auges
  • verklebte Lider am Morgen
  • bei der nervenbedingten Form manchmal ein trockenes, verkrustetes Nasenloch auf derselben Seite
  • im fortgeschrittenen Stadium eine bräunliche Verfärbung der Hornhaut

Viele Halterinnen und Halter halten den Ausfluss zunächst für eine gewöhnliche Bindehautentzündung. Antibiotische Tropfen bessern das Bild für ein paar Tage, dann kommt alles zurück. Genau dieses Muster ist ein typischer Hinweis auf KCS.

Der Schirmer-Tränentest: eine Minute Gewissheit

Die Diagnose ist einfach und schmerzlos. Der Tierarzt legt einen schmalen Filterpapierstreifen mit Millimeterskala in den unteren Bindehautsack, ohne das Auge vorher zu betäuben. Nach einer Minute liest er ab, wie weit die Tränenflüssigkeit im Papier gewandert ist. Liegt der Wert deutlich unter dem Normalbereich, ist die Diagnose gestellt; Grenzwerte werden nach einigen Wochen kontrolliert.

Oft folgt ein Fluoreszein-Test: Ein gelb-grüner Farbstoff macht Defekte der Hornhaut sichtbar. Das ist wichtig, weil manche Augenmedikamente bei einem Geschwür nicht verwendet werden dürfen. Bei kurzköpfigen Hunden prüft die Tierärztin zusätzlich, ob die Lider vollständig schliessen und ob Haare die Hornhaut berühren.

Fragen Sie bei der Terminvereinbarung, ob Sie am Untersuchungstag auf Tropfen verzichten sollen: Tränenersatz kurz vor dem Test verfälscht das Resultat.

Behandlung: Rezept plus Pflege zu Hause

Die Basis ist ein Immunmodulator als Augensalbe, meist mit dem Wirkstoff Ciclosporin, seltener Tacrolimus. Er bremst die Entzündung in der Tränendrüse und regt die Tränenproduktion wieder an. Bis die volle Wirkung erreicht ist, vergehen mehrere Wochen. Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr Drüsengewebe ist noch vorhanden und desto besser spricht der Hund an. Bei Infektion oder starker Entzündung verschreibt die Tierärztin anfangs weitere Medikamente.

Der zweite Pfeiler ist Tränenersatz. Er ersetzt den fehlenden Film, schützt die Hornhaut und lindert die Beschwerden, bis das Medikament wirkt, und meist auch danach. Flüssige Tropfen wirken kurz, Gele mit Hyaluronsäure oder Carbomer haften länger, Salben am längsten, trüben aber die Sicht für einige Minuten. Welche Form und wie oft, legt Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt fest. Tränenersatz ersetzt das verschriebene Medikament nie, er ergänzt es.

Augentropfen aus der eigenen Hausapotheke sind tabu. Gefässverengende oder kortisonhaltige Präparate für Menschen können ein Hornhautgeschwür verschlimmern. Warum Humanpräparate bei Tieren so oft schaden, lesen Sie unter Humanmedikamente: Gefahr für Hund und Katze.

Augengel auftragen in fünf Schritten

  1. Hände waschen. Ausfluss zuerst mit einem Tupfer entfernen, der mit Kochsalzlösung oder lauwarmem Wasser getränkt ist, immer vom inneren zum äusseren Augenwinkel und für jedes Auge ein neuer Tupfer.
  2. Den Kopf leicht anheben und von hinten oder seitlich stabilisieren. Kleine Hunde sitzen dafür am besten auf einem Tisch mit rutschfester Unterlage.
  3. Mit dem Daumen das Unterlid sanft nach unten ziehen. Gel oder Tropfen in die entstehende Tasche geben, ohne Auge, Lid oder Wimpern mit der Spitze zu berühren.
  4. Das Lid loslassen. Ihr Hund verteilt das Präparat durch Blinzeln; nicht reiben.
  5. Bei mehreren Präparaten zuerst Tropfen, dann Gel, zuletzt Salbe, mit einigen Minuten Abstand dazwischen. Danach belohnen.

Tube oder Fläschchen beim Öffnen datieren: Viele Präparate sind nach Anbruch nur wenige Wochen haltbar, die genaue Frist steht in der Packungsbeilage.

Ein Leben lang: realistisch planen

KCS ist bei den meisten Hunden eine Dauerdiagnose. Wird das Medikament abgesetzt, kehren die Beschwerden in der Regel zurück. Bauen Sie die Pflege deshalb fest in den Tagesablauf ein, zum Beispiel zu den Fütterungszeiten, und halten Sie die Kontrolltermine ein, an denen Schirmer-Wert und Hornhaut neu beurteilt werden. Mit Belohnung gewöhnen sich die meisten Hunde rasch an das Ritual. Bei kurzköpfigen Rassen lohnt es sich, bei diesen Kontrollen auch Nasenfalten, Atmung und Zähne anzuschauen; Hinweise zur Zahnpflege finden Sie in Zahnpflege bei Hund und Katze.

Wann sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt

  • Das Auge ist plötzlich stark gerötet, Ihr Hund kneift es zu oder reibt es mit der Pfote.
  • Auf der Hornhaut sehen Sie eine trübe, bläuliche oder eingedellte Stelle (Verdacht auf ein Hornhautgeschwür).
  • Gelb-grüner Ausfluss verklebt die Lider jeden Morgen.
  • Die Hornhaut wird matt, braun verfärbt oder von feinen Gefässen durchzogen.
  • Ein Auge tritt nach einem Stoss, einem Sturz oder einer Rauferei stärker hervor als sonst (Notfall, besonders bei kurzköpfigen Rassen).
  • Die Beschwerden bessern sich trotz Behandlung nach einigen Wochen nicht.

Allgemeine Information. Sie ersetzt nicht die Beratung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Quellen

  1. Kleintierklinik Bern, Vetsuisse-Fakultät: Ophthalmologie
  2. Universitäres Tierspital Zürich: Augenheilkunde
  3. CliniPharm, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie Zürich: Ciclosporin, Pharmakologie
  4. BLV: Tierschutz beim Züchten

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