Zähne
Zahnpflege bei Hund und Katze: Zähneputzen, Zahnstein, Parodontitis
Das Wichtigste
- Rund drei Viertel der Hunde und Katzen über fünf Jahre haben eine Erkrankung des Zahnhalteapparats. Sie beginnt unsichtbar mit Belag am Zahnfleischrand.
- Zähneputzen ist die wirksamste Vorbeugung: ideal täglich, mindestens dreimal pro Woche, immer mit Zahnpasta für Tiere.
- Zahnpasta für Menschen gehört nicht ins Tiermaul: Tiere schlucken sie, sie enthält Fluorid und manchmal Xylit, das für Hunde giftig ist.
- Zahnstein unter dem Zahnfleisch lässt sich nur in Narkose entfernen; eine Reinigung ohne Narkose bleibt kosmetisch.
Mundgeruch gilt bei vielen Hunden und Katzen als normal. Das ist er nicht. Meist ist er das erste Zeichen einer Erkrankung, die rund drei Viertel der über fünfjährigen Tiere betrifft und unbehandelt Zahnfleisch, Kieferknochen und schliesslich die Zähne zerstört. Die gute Nachricht: Kaum ein Gesundheitsproblem lässt sich zu Hause so wirksam vorbeugen.
Vom Belag zum Zahnverlust
Plaque. Bakterien bilden auf den Zähnen einen klebrigen Film, den Biofilm. Nach einer professionellen Reinigung entsteht er schon innert Stunden neu.
Zahnstein. Mineralien aus dem Speichel verhärten die Plaque innert weniger Tage zu Zahnstein. Seine raue Oberfläche bietet neuen Bakterien Halt. Mit der Zahnbürste ist er nicht mehr zu entfernen.
Gingivitis. Das Zahnfleisch entzündet sich, wird rot und blutet leicht. In diesem Stadium ist alles noch umkehrbar.
Parodontitis. Die Entzündung greift auf Kieferknochen und Haltefasern über, Zahnfleischtaschen bilden sich, Zähne lockern sich. Der verlorene Knochen wächst nicht nach.
Wichtig: Wie viel Zahnstein sichtbar ist, sagt wenig über den Zustand unter dem Zahnfleisch. Im selben Maul stehen oft gesunde neben schwer erkrankten Zähnen. Kleine Hunderassen und kurzköpfige Rassen sind besonders anfällig, weil ihre Zähne eng stehen. Bei Katzen kommen schmerzhafte Zahnresorptionen hinzu, bei denen sich die Zahnsubstanz von innen auflöst; sie sind oft nur im Röntgenbild zu erkennen.
Zähneputzen lernen: ein Plan über vier Wochen
Junge Tiere lernen am schnellsten, aber auch ältere Hunde und viele Katzen gewöhnen sich daran, wenn Sie in kleinen Schritten vorgehen. Üben Sie täglich kurz, immer zur gleichen Zeit, etwa nach dem Abendspaziergang oder vor der Lieblingsmahlzeit.
- Woche 1: Lefzen anheben, Zähne anschauen, sofort belohnen. Mehr nicht.
- Woche 2: Etwas Tierzahnpasta vom Finger probieren lassen. Viele Pasten schmecken nach Geflügel oder Malz und werden wie ein Leckerli angenommen.
- Woche 3: Mit einem Fingerling oder einem um den Finger gewickelten Gazestreifen über die Aussenflächen der Backenzähne reiben.
- Woche 4: Auf eine weiche Zahnbürste wechseln, für kleine Hunde und Katzen eine Kinder- oder Fingerbürste. Die Borsten schräg zum Zahnfleischrand halten und mit kleinen kreisenden Bewegungen putzen.
Konzentrieren Sie sich auf die Aussenflächen, besonders der grossen Backenzähne im Oberkiefer: Dort sammelt sich am meisten Belag, während die Zunge die Innenseiten zum Teil selbst reinigt. Am Anfang reicht eine Minute pro Sitzung. Ideal ist tägliches Putzen. Der Zürcher Therapieleitfaden AntibioticScout nennt für Tiere ohne Parodontitis mindestens drei Mal pro Woche, für erkrankte Tiere häufiger.
Warum keine Zahnpasta für Menschen?
Hunde und Katzen spucken nicht aus, sie schlucken alles, was im Maul ist. Zahnpasta für Menschen enthält Fluorid in einer Menge, die zum Ausspucken gedacht ist, Schaummittel, die den Magen reizen, und manchmal Xylit. Dieser Zuckerersatz löst beim Hund schon in kleiner Menge eine starke Unterzuckerung aus und kann die Leber schädigen; für Katzen ist er laut Tox Info Suisse nicht giftig. Tierzahnpasta ist zum Schlucken gemacht und schäumt nicht.
Ein Detail, das viele überrascht: Auch manche Zahnpflegeprodukte und Trinkwasserzusätze für Hunde enthalten Xylit, wenn auch in geringer Konzentration. Lesen Sie die Zusammensetzung und lagern Sie alle Produkte ausser Reichweite. Mehr zu Xylit und anderen Gefahren aus dem Badezimmerschrank lesen Sie unter Humanmedikamente: Gefahr für Hund und Katze.
Gels mit Chlorhexidin und andere Helfer
Chlorhexidin ist ein Antiseptikum, das die Zahl der Bakterien im Maul senkt. Als Gel oder Spülung kann es sinnvoll sein, wenn Putzen vorübergehend nicht möglich ist, etwa nach einer Zahnbehandlung, oder als Ergänzung bei Tieren mit Parodontitis. Es schmeckt bitter, kann die Zähne bei längerer Anwendung bräunlich verfärben und ersetzt die Bürste nicht: Den festsitzenden Biofilm löst nur die Mechanik. Wie lange Sie ein solches Gel verwenden, besprechen Sie mit der Praxis.
Kauartikel, Zahnpflegefutter und Wasserzusätze sind willkommene Ergänzungen, ersetzen das regelmässige Bürsten aber nicht. Vorsicht bei sehr harten Kauobjekten wie Knochen, Geweih oder Hufen: Sie gehören zu den häufigsten Ursachen abgebrochener Backenzähne beim Hund. Faustregel: Lässt sich die Oberfläche mit dem Fingernagel nicht eindrücken, ist sie zu hart.
Zahnsanierung unter Narkose: was dabei passiert
Ist Zahnstein einmal da oder hat die Parodontitis begonnen, hilft nur eine professionelle Behandlung. Sie findet in Vollnarkose statt, denn das Wichtigste geschieht unter dem Zahnfleisch:
- Reinigung mit Ultraschall über und unter dem Zahnfleischrand
- Sondieren jeder Zahnfleischtasche, Zahn für Zahn
- Röntgenbilder, weil Wurzeln und Kieferknochen sonst unsichtbar bleiben
- Politur, damit sich neuer Belag schlechter festsetzt
- wenn nötig das Ziehen von Zähnen, die nicht mehr zu retten sind
Angebote zur Zahnsteinentfernung ohne Narkose entfernen nur den sichtbaren Belag. Die Zähne sehen danach sauber aus, die Entzündung unter dem Zahnfleisch bleibt. Für das Tier bedeutet die Prozedur zudem Stress. Gesunde Tiere vertragen eine Narkose nach einer Voruntersuchung gut; bei älteren Tieren klärt die Praxis vorher Herz, Nieren und Blutwerte ab.
Antibiotika braucht es dabei nur in Ausnahmefällen. Entscheidend ist die Pflege danach: Weil sich der Biofilm wenige Stunden nach der Behandlung neu bildet, hält das Ergebnis viel länger, wenn Sie ab der ersten Woche wieder putzen. Für komplexe Fälle, etwa einen abgebrochenen Zahn mit eröffnetem Zahnmark, gibt es spezialisierte Zahnsprechstunden, zum Beispiel am Universitären Tierspital Zürich.
Wann sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt
- Mundgeruch bleibt trotz Pflege bestehen oder wird plötzlich stärker.
- Das Zahnfleisch ist rot, geschwollen oder blutet.
- Ihr Tier kaut nur auf einer Seite, lässt Futter fallen, sabbert oder fasst sich mit der Pfote ans Maul.
- Ein Zahn ist abgebrochen, verfärbt oder wackelt.
- Unter dem Auge oder an der Backe zeigt sich eine Schwellung (möglicher Abszess an einer Zahnwurzel).
- Ihr Hund hat Zahnpasta für Menschen oder Kaugummi mit Xylit gefressen: sofort Tierarzt oder Tox Info Suisse 145.
Allgemeine Information. Sie ersetzt nicht die Beratung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.