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Gelenke

Arthrose bei Hund und Katze: Anzeichen erkennen, Gelenke entlasten

Redaktion Actipharm · Veröffentlicht am · 4 Min. Lesezeit

Ältere Katze, die über ein kleines Treppchen auf ihre Fensterbank steigt.

Das Wichtigste

  • Arthrose ist bei älteren Hunden und Katzen sehr häufig. Katzen zeigen sie selten durch Hinken, sondern durch weniger Springen, weniger Fellpflege und Rückzug.
  • Übergewicht ist der wichtigste Faktor, den Sie selbst beeinflussen können: Schon eine moderate Gewichtsabnahme verbessert die Beweglichkeit spürbar.
  • Unter den Ergänzungsmitteln haben Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl die beste Studienlage; für Glucosamin und Chondroitin fand eine Übersichtsarbeit von 2022 keinen Nutzen gegen Schmerzen.
  • Schmerzmittel verschreibt nur die Tierärztin. Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol aus der Hausapotheke können Hund und Katze schwer vergiften.

Arthrose ist eine der häufigsten Ursachen chronischer Schmerzen bei älteren Hunden und Katzen. Heilbar ist sie nicht, gut behandelbar dagegen schon. Damit das gelingt, müssen einige hartnäckige Irrtümer aus dem Weg geräumt werden.

Irrtum 1: «Er ist halt alt geworden»

Bei der Arthrose wird der Gelenkknorpel nach und nach abgebaut, die Gelenkkapsel entzündet sich, am Knochen bilden sich Randzacken. Auslöser sind beim Hund oft Fehlstellungen wie die Hüft- oder Ellbogendysplasie, alte Verletzungen, etwa ein Kreuzbandriss, und Übergewicht.

Die frühen Anzeichen werden gern dem Alter zugeschrieben. Ihr Hund steht nach dem Liegen mühsam auf und läuft sich erst nach einigen Minuten ein. Er bleibt beim Spaziergang zurück, zögert vor Treppe, Auto oder Sofa, leckt an einem Gelenk oder reagiert gereizt, wenn Sie ihn an der Hüfte bürsten. Die Muskulatur der Hinterbeine wird schmaler. Bei nasskaltem Wetter wird alles schlimmer. Was als Altersgemütlichkeit gilt, ist oft Schmerz.

Die Diagnose stellt die Tierärztin, indem sie den Gang beobachtet, die Gelenke abtastet und bewegt und bei Bedarf Röntgenbilder macht. Dabei gilt: Wie ausgeprägt die Veränderungen im Röntgenbild sind, sagt wenig darüber, wie stark ein Tier leidet. Massgebend ist, wie es sich im Alltag bewegt. Ein kurzes Tagebuch hilft (Wie weit läuft er gern? Springt sie noch aufs Bett?) und zeigt später, ob die Behandlung wirkt.

Irrtum 2: «Katzen haben keine Arthrose»

Röntgenstudien finden bei einem grossen Teil der älteren Katzen arthrotische Veränderungen, vor allem an Ellbogen, Hüften und Wirbelsäule. Katzen hinken aber selten. Sie passen ihr Leben still an:

  • Sie springen nicht mehr auf Fensterbank oder Schrank, oder nur noch über eine Zwischenstufe.
  • Vor dem Sprung zögern sie, als würden sie Anlauf nehmen.
  • Sie schlafen mehr und spielen weniger.
  • Das Fell an Rücken und Hinterbeinen verfilzt, weil das Drehen beim Putzen schmerzt.
  • Die Krallen werden lang, weil weniger gekratzt wird.
  • Kot oder Urin landen neben der Katzentoilette, wenn der Rand zu hoch ist.
  • Sie werden gereizt, wenn man sie hochhebt oder über den Rücken streichelt.

In der Praxis zeigen Katzen ihre Steifheit kaum. Kurze Videos aus dem Alltag, etwa vom Sprung aufs Sofa oder vom Treppensteigen, helfen der Tierärztin enorm.

Irrtum 3: «Ein paar Kilo mehr schaden nicht»

Jedes Kilo zu viel belastet die Gelenke mechanisch, und Fettgewebe setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen fördern. Umgekehrt gehört die Gewichtsabnahme zu den wirksamsten Massnahmen überhaupt: Schon eine moderate Reduktion verbessert die Lahmheit bei vielen Hunden deutlich.

Als Richtschnur: Die Rippen sollten sich mit leichtem Druck ertasten lassen, und von oben sollte eine Taille sichtbar sein. Wiegen Sie die Tagesration ab und ziehen Sie Leckerli davon ab. Ein Abnehmplan gehört in tierärztliche Hände, besonders bei Katzen: Sie dürfen nie hungern, weil sonst eine gefährliche Leberverfettung droht.

Irrtum 4: «Schonen ist das Beste»

Knorpel wird über Bewegung ernährt, Muskeln stabilisieren die Gelenke. Arthrosepatienten brauchen also Bewegung, aber die richtige: regelmässig, gleichmässig, dem Tag angepasst. Mehrere kürzere Spaziergänge sind besser als eine lange Wochenendtour. Weicher Waldboden schont mehr als Asphalt. Ballspiele mit abrupten Sprints und Stopps belasten die Gelenke stark; Schnüffelspiele und ruhiges Schwimmen sind gute Alternativen.

Physiotherapie hilft, Beweglichkeit und Muskelkraft zu erhalten. Das Universitäre Tierspital Zürich und die Kleintierklinik Bern bieten sie an, etwa mit Unterwasserlaufband und einem Übungsprogramm für zu Hause. Auch die Wohnung lässt sich anpassen: rutschfeste Läufer auf glatten Böden, eine Rampe fürs Auto, ein festes, orthopädisches Liegebett. Für Katzen eine Toilette mit niedrigem Einstieg, Stufen zum Lieblingsplatz und Futter und Wasser auf jedem Stockwerk.

Irrtum 5: «Gelenkpulver hilft immer»

Die Regale sind voll mit Gelenkprodukten. Eine grosse Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2022 hat die Studien zu Hund und Katze ausgewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd und klärend zugleich.

Substanz Was die Studien zeigen Einschätzung
Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA aus Fischöl) deutlicher schmerzlindernder Effekt, als Zusatz oder in angereichertem Gelenkfutter sinnvolle Ergänzung, Produkt mit der Tierärztin wählen
Glucosamin und Chondroitin klar kein Effekt auf Schmerzen; die Autorinnen und Autoren raten von einer Empfehlung zur Schmerzbehandlung ab ersetzt keine Schmerztherapie
MSM (Methylsulfonylmethan) kaum aussagekräftige Studien bei Hund und Katze, meist nur in Mischprodukten getestet Nutzen unbelegt

Die meisten Gelenkprodukte sind Ergänzungsfuttermittel, keine Arzneimittel: Ihre Wirksamkeit wird vor dem Verkauf nicht geprüft, Gehalt und Qualität schwanken. Fischöl ist zudem kalorienreich und kann den Kot weich machen. Vor Operationen und bei Tieren, die weitere Medikamente erhalten, fragen Sie vorher in der Praxis nach.

Schmerzmittel: nur aus der Tierarztpraxis

Arthroseschmerz ist echter Dauerschmerz und verdient eine echte Behandlung. Die Tierärztin oder der Tierarzt setzt dafür meist entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) ein, die für Hund oder Katze zugelassen sind, und kontrolliert bei Langzeitgabe Nieren- und Leberwerte. Je nach Fall kommen weitere Schmerzmittel, neuere Therapieformen oder Physiotherapie dazu. Viele Tiere werden unter einer guten Schmerztherapie spürbar aktiver; für Halterinnen und Halter ist das oft der Moment, in dem sie merken, wie viel Schmerz vorher da war.

Kombinieren Sie nie eigenmächtig zwei Entzündungshemmer, auch nicht mit Kortison. Und geben Sie nie Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke: Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen schädigen bei Hund und Katze Magen, Darm und Nieren, Paracetamol ist für Katzen lebensgefährlich. Mehr dazu in Humanmedikamente: Gefahr für Hund und Katze.

Wann sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt

  • Ihr Hund lahmt plötzlich stark oder belastet ein Bein gar nicht mehr.
  • Ein Gelenk ist warm, geschwollen oder schmerzt bei Berührung.
  • Ihre Katze springt nicht mehr auf gewohnte Plätze, setzt Kot oder Urin neben die Katzentoilette oder wehrt sich gegen das Hochheben.
  • Ihr Tier frisst unter einem verschriebenen Schmerzmittel schlechter, erbricht oder hat schwarzen Kot.
  • Sie möchten ein Ergänzungsmittel geben, während Ihr Tier bereits Medikamente erhält.
  • Ihr Tier hat ein Schmerzmittel für Menschen gefressen oder bekommen: sofort Tierarzt oder Tox Info Suisse 145.

Allgemeine Information. Sie ersetzt nicht die Beratung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Quellen

  1. Universitäres Tierspital Zürich: Rehabilitation und Sportmedizin, Tierphysiotherapie
  2. Kleintierklinik Bern, Vetsuisse-Fakultät: Physiotherapie
  3. Barbeau-Grégoire M. et al. (2022): Systematic Review and Meta-Analysis of Enriched Therapeutic Diets and Nutraceuticals in Canine and Feline Osteoarthritis
  4. CliniTox, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie Zürich: Nichtsteroidale Antiphlogistika

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