Ohren
Ohren reinigen bei Hund und Katze: wie oft, womit und wann besser nicht
Das Wichtigste
- Der Gehörgang von Hund und Katze ist L-förmig: Ein senkrechter Teil biegt vor dem Trommelfell waagrecht ab, deshalb sehen Sie nie bis ganz nach innen.
- Gesunde Ohren reinigen sich weitgehend selbst. Kontrollieren Sie sie wöchentlich und reinigen Sie nur bei sichtbarem Schmutz oder auf tierärztlichen Rat.
- Ohrreiniger wird in den Gehörgang gefüllt und von aussen einmassiert; Wattestäbchen schieben Ohrenschmalz tiefer und können den Gang verletzen.
- Plötzliches, heftiges Kopfschütteln nach einem Spaziergang durch hohes Gras deutet auf eine Granne hin und gehört rasch in die Tierarztpraxis.
Viele Hundehalter greifen zum Wattestäbchen, viele Katzenhalter fassen die Ohren gar nie an. Beides hat seine Tücken. Wer weiss, wie der Gehörgang gebaut ist, versteht rasch, wo Pflege hilft und wo sie schadet.
Ein Gehörgang mit Knick
Beim Menschen verläuft der Gehörgang fast gerade. Bei Hund und Katze führt er zuerst senkrecht nach unten und biegt dann waagrecht Richtung Trommelfell ab: Er hat die Form eines L. Was Sie beim Hineinschauen sehen, ist nur der obere Teil des senkrechten Abschnitts. Ohrenschmalz und abgestorbene Hautzellen wandern normalerweise langsam von innen nach aussen und fallen an der Ohröffnung ab. Diese Selbstreinigung funktioniert bei den meisten Katzen und bei vielen Hunden zuverlässig.
Schwerer haben es Hunde mit tief angesetzten Schlappohren (Cocker Spaniel, Basset, Retriever), mit viel Haar im Gehörgang (Pudel und Pudelmischlinge), mit sehr engem Gang (Shar-Pei, viele kurzköpfige Rassen) und Hunde, die oft schwimmen. Bei ihnen bleibt es im Gang warm und feucht, Hefepilze und Bakterien vermehren sich leichter. Der häufigste Auslöser wiederkehrender Ohrentzündungen beim Hund ist allerdings eine Allergie; die Ohren sind dann nur das sichtbarste Zeichen.
Wie oft reinigen?
| Situation | Kontrolle | Reinigung |
|---|---|---|
| Katze mit gesunden Ohren | bei der Fellpflege, etwa wöchentlich | in der Regel nicht nötig |
| Hund mit Stehohren, gesunde Ohren | wöchentlich | nur bei sichtbarem Schmutz |
| Hund mit Schlappohren oder viel Haar im Gang | wöchentlich | nach Bedarf, Rhythmus mit der Tierärztin festlegen |
| Hund, der regelmässig schwimmt | nach dem Baden | Ohrmuschel trocknen, Reiniger nach tierärztlichem Rat |
| Tier mit laufender Ohrbehandlung | nach Plan | genau nach Anweisung der Praxis |
Zu häufiges Reinigen reizt die Haut des Gehörgangs und stört die Selbstreinigung. Riechen und schauen Sie lieber regelmässig, statt routinemässig zu spülen. Ein gesundes Ohr ist innen hellrosa, fast geruchlos und trägt höchstens etwas hellbraunes Schmalz.
Schritt für Schritt mit Ohrreiniger
Verwenden Sie einen Ohrreiniger für Tiere aus der Tierarztpraxis, Apotheke oder Drogerie. Er löst Ohrenschmalz, manche Produkte trocknen den Gang zusätzlich.
- Den Reiniger auf Zimmertemperatur bringen; kalte Flüssigkeit im Ohr ist unangenehm.
- Die Ohrmuschel sanft nach oben halten, damit sich der senkrechte Teil des Gangs streckt.
- Den Gehörgang mit Reiniger füllen, ohne die Spitze tief einzuführen. Die Menge steht in der Gebrauchsanweisung.
- Den Ohrgrund unterhalb der Ohrmuschel etwa eine halbe Minute massieren. Ein schmatzendes Geräusch zeigt, dass sich die Flüssigkeit verteilt.
- Loslassen und Ihr Tier schütteln lassen. Treten Sie dafür einen Schritt zurück.
- Gelöstes Sekret aus Ohrmuschel und sichtbarem Eingang mit einem Wattepad oder einer Kompresse abwischen, nur so tief, wie Ihr Finger reicht.
- Belohnen. Für das zweite Ohr ein frisches Pad nehmen.
Bei Katzen genügt oft ein leicht befeuchtetes Wattepad in der Ohrmuschel. Viele Katzen dulden kein Einfüllen; zwingen Sie sie nicht, sondern lassen Sie sich in der Praxis zeigen, wie es stressarm gelingt. Bei Schmerzen, Blut oder Verdacht auf einen Fremdkörper füllen Sie nichts ein: Ist das Trommelfell verletzt, können manche Inhaltsstoffe Mittel- und Innenohr schädigen.
Was Sie besser lassen
Wattestäbchen. Im L-förmigen Gang schieben sie das Schmalz in den waagrechten Abschnitt, wo es sich vor dem Trommelfell staut. Bei einer plötzlichen Kopfbewegung kann zudem die Haut verletzt werden.
Haare zupfen ohne Grund. Das routinemässige Auszupfen von Haaren aus dem Gehörgang reizt die Haut und gilt als begünstigender Faktor für Ohrentzündungen. Ob es bei Ihrem Hund nötig ist, entscheidet der Tierarzt.
Hausmittel. Essig, Alkohol, Wasserstoffperoxid oder ätherische Öle reizen die empfindliche Haut des Gehörgangs; Teebaumöl ist für Katzen giftig. Auch Ohrentropfen aus der eigenen Hausapotheke gehören nicht ins Tierohr, siehe Humanmedikamente: Gefahr für Hund und Katze.
Eine Entzündung selbst behandeln. Ein Reiniger heilt keine Otitis. Wer Ursache und Erreger nicht kennt, riskiert, dass die Entzündung chronisch wird.
Anzeichen einer Otitis
Die Entzündung des äusseren Gehörgangs, die Otitis externa, gehört beim Hund zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt; bei der Katze ist sie seltener. Typisch sind Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, Reiben des Kopfes am Boden, Rötung, Geruch und Ausfluss.
Die Farbe des Sekrets gibt Hinweise. Dunkelbraunes, krümeliges Material spricht bei jungen Katzen oft für Ohrmilben, schmieriges braunes für Hefepilze, gelbliches oder eitriges für Bakterien. Sicher sagen lässt sich das nur mit einem Abstrich unter dem Mikroskop, den die Tierärztin bei jeder Otitis macht. Bei der Katze kommen als Ursache auch Polypen im Gehörgang in Frage.
Behandelt wird meist lokal mit Ohrentropfen; Tabletten mit Antibiotika sind bei einer Otitis externa selten nötig. Entscheidend ist, die Grundursache zu finden. Bei einer allergischen Otitis kommt die Entzündung sonst immer wieder, und der Gehörgang verdickt und verengt sich mit der Zeit dauerhaft. Eine Kontrolle nach etwa zwei Wochen gehört deshalb zur Behandlung, auch wenn das Ohr schon besser aussieht.
Sonderfall Grannen
Von Juni bis September wird es heikel. Die Ährchen der Mäusegerste und anderer Wildgräser tragen Widerhaken und bewegen sich nur in eine Richtung: vorwärts. Gelangen sie ins Ohr, rutschen sie mit jeder Kopfbewegung tiefer Richtung Trommelfell.
Typisch ist ein Hund, der nach dem Spaziergang plötzlich heftig den Kopf schüttelt, ihn schief hält und sich nicht ans Ohr fassen lässt. Versuchen Sie nicht, die Granne selbst zu entfernen, und füllen Sie keinen Reiniger ein. Die Tierärztin holt sie mit dem Otoskop heraus, bei unruhigen Tieren unter Sedation. Nach Spaziergängen durch hohes Gras lohnt sich ein kurzer Blick in Ohren, Pfoten und Nase. Katzen mit Freigang sind ebenfalls betroffen, wenn auch seltener.
Wann sofort zur Tierärztin oder zum Tierarzt
- Ihr Tier schüttelt nach einem Spaziergang plötzlich und anhaltend den Kopf oder hält ihn schief.
- Das Ohr riecht unangenehm, ist gerötet, geschwollen oder sondert braunes, gelbes oder eitriges Sekret ab.
- Ihr Tier reagiert schmerzhaft, wenn Sie das Ohr oder den Kopf berühren.
- Gleichgewichtsstörungen, Augenzittern oder ein hängendes Augenlid treten auf (Verdacht auf Beteiligung von Mittel- oder Innenohr).
- Die Ohrmuschel ist plötzlich prall und weich geschwollen (Blutohr).
- Die Beschwerden kommen nach einer Behandlung immer wieder.
Allgemeine Information. Sie ersetzt nicht die Beratung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.